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USA: Deutsche Firmen in den USA kennen keine Krise

Published at: Dec 13, 2011
source: Handelsblatt
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Wachstum, Chancen, Riesenmarkt: Deutsche Unternehmen in den USA malen sich das Jahr 2012 rosig aus. Sie bauen auf Verbrauchervertrauen und Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel.

New York- Die USA sind für viele Unternehmen längst nicht mehr das Land des großen Lächelns: hohe Arbeitslosigkeit, überzogener Staatshaushalt, unsichere Zukunftslage. Doch all diese negativen Aspekte spiegeln sich in den Zahlen der  US-Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen nicht wider.

72 Prozent der Auslandsgesellschaften blicken 2011 laut dem „German American Business Outlook 2012“ nämlich auf gestiegene Umsätze zurück. Und 86 Prozent erwarten für 2012 weiter „moderates bis starkes Wachstum“. Und zwar gegen den Trend: Die Firmen sehen mehr Wachstum auf sich selbst zukommen als auf die Gesamtwirtschaft im Lande. Rund 200 deutsche Firmen in den USA beantworteten die Fragen der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern, die den „Business Outlook”  in Zusammenarbeit mit dem Delegierten der Deutschen Wirtschaft in Washington und Roland Berger Strategy Consultants vorlegt.

Als Reality Check für die Konjunkturumfrage gilt der Vergleich mit den Daten des Vorjahrs: In etwa wie vorausgesehen hat sich etwa die Rohmaterialsituation verschlechtert – 63 Prozent nennen sie „schlechter“ oder „viel schlechter“. Bei Personalfragen sieht das ganz anders aus.

Dem Bericht zufolge ist bei den meisten Unternehmen umgesetzt worden, was geplant war. So hatten etwa 69 Prozent für 2011 Neueinstellungen vorgesehen, 55 Prozent erhöhten tatsächlich die Zahl ihrer Mitarbeiter. „Wir haben 2010 mehr als 50 neue Mitarbeiter eingestellt“, sagt Russ Wheeler. Der Amerikaner führt rund 250 Mitarbeiter im Werk von Hansgrohe Inc Nordamerika und kann das Unternehmen in wenigen Sätzen so beschreiben, dass man einen Duschkopf kaufen möchte.

Wheeler sieht dabei nicht nur Wachstum, sondern auch Stabilität: „Bei deutschen Firmen in den USA sind Stellenstreichungen weniger wahrscheinlich.“ Er beobachte, dass deutsche Firmen in Krisenzeiten lieber erst einmal anderswo sparten – und dann die Marktvorteile viel schneller nutzen könnten, weil sie das Personal dafür haben, wenn es wieder aufwärts gehe.

Doch jede gute Geschichte hat einen Bösewicht oder eine düstere Gefahr. So auch diese. Schließlich sind auch deutsche Unternehmen in den USA umzingelt von Krise, Krise und noch mal Krise: An den Banden ins Vaterland zerren Euro-Sorgen, Nachbarstaaten vor der Pleite und die Bonitätswerte von Ratingagenturen, von US-Seite kommen Haushaltsdebakel, Reformvorhaben und Steuerfragen hinzu.

Dem entgegnen viele Unternehmer ein Schlagwort: Verbrauchervertrauen. „Die Leute essen immer noch“, sagt Norbert Weichele verschmitzt. Er hat für den Aachener Marmeladenkönig Zentis die Zentis Food Solutions North America aufgebaut – als Zulieferer für Lebensmittelhersteller. Dabei kam ihm ein Trend zupass: Greek Yogurt. Den halten die amerikanischen Verbraucher derzeit für besonders gesund, und dazu passt ein Zusatz aus Obst – die Kernkompetenz des Unternehmens.

Doch auch den deutschen Unternehmen stehen Schwierigkeiten ins Haus. „Die Gesundheitsreform könnte die Verkäufe in unserer Branche beeinträchtigen“, räumt Carroll Neubauer ein. Der Amerikaner ist CEO der US-Töchter des deutschen Pharmakonzerns B. Braun Melsungen. Und Fachkräftemangel ist zwar auch in Deutschland alles andere als unbekannt. Aber in den USA fehlt aus deutscher Perspektive eine wichtige Grundlage: Eine geregelte, mehrjährige Ausbildung zum Facharbeiter gibt es dort nicht. „Jeder will hier einen Bürojob“, sagt Michael Kruklinski, Chief Strategy Officer bei der Siemens Corporation USA.

Um den mangelnden Bildungsstand aufzupolieren, arbeiten viele Unternehmen mit Colleges zusammen – und bauen hausinterne Bildungsprogramme auf. Und: Selbst für den Export sind die USA nach wie vor ein guter Standort, auch wenn die Logistik laut manchem deutschen Unternehmer nicht die beste der Welt ist – im Vergleich zu China schneiden die USA immer noch gut ab. Ein Beispiel: Von den Mitarbeitern bis zu den Zollbeamten sprechen alle Englisch.

Gutes Wachstum und gute Chancen, kein Grund für Pessimismus: Selbst auf die Entwicklung der USA blicken die Manager mit Milde. 96 Prozent erwarten dem Bericht zufolge keine erneute Rezession, nur ein Drittel empfindet sich als „moderat“ beeinträchtigt durch Euro-Krisen und das US-Haushalts-Drama.

„Natürlich machen wir uns Sorgen um die amerikanische Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit bedrückt uns – aber die deutschen Unternehmen machen sich hier einfach gut“, sagt Carroll Neubauer von B. Braun Melsungen.

Gute Laune verbreiten sie allemal. Als Beleg für das gute Konsumklima sagt Weichele: „Greek Yogurt wächst, dabei ist er viel teurer als der normale Joghurt.“ Da schmunzelt Martin Richenhagen, CEO beim Landmaschinen-Hersteller AGCO: „Das ist seit langem die erste gute Nachricht aus Griechenland.“ Krisenherde sind eben doch ein Thema. Der Marktführer für den griechischen Joghurt in den USA soll allerdings aus der Türkei kommen.

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